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Alt 20.05.2011   #1
Marie
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Standard Handpuppe mit Maul

Bereits als ich angefangen habe mit dem filzen, war ich davon fasziniert, dass man sich eigene Handpuppen erstellen kann. Meine ersten beiden Versuche waren mäßig gut. Das Problem war, dass ich einfach nicht wusste, wie man am besten das Maul filzen kann. Das Buch „Filzen: Alte Tradition – modernes Handwerk“ hat mir den Einstieg zum Handpuppen filzen dann etwas erleichtert, aber ganz zufrieden war ich immer noch nicht. Deswegen hier eine bebilderte Anleitung zum Thema Handpuppen filzen.

Hier eine von meinen Handpuppen deren Entstehung ihr im Folgenden sehen könnt:

Klicke auf das Bild um es in Orginal-Größe zusehen.

Wolle:
* Strangwolle (Merino, 16 mic.) in späterer Grundfarbe der Puppe, ca. 80g (sehr schön sind hierfür auch die Melangen)
* Strangwolle (Merino, 16 mic.) in anderen Farben für Verzierungen (z.B. Haare, Hände, etc.)
* Weiße Wolle (Merino) für die Augen, ca. 10 g

Materialien:
* Ballbrause
* Warme Seifenlauge
* Unterlage (Autogummimatte, Bambusmatte, Plastiktablett, etc.)
* Handtücher
* Scharfe Schere
* Filznadel + Unterlage
* Noppenfolie
* Viel Geduld

Arbeitszeit:
* Für erfahrene Filzer/innen: ca. 5-6 Stunden + Trockenzeit
* Für nicht ganz so erfahrene Filzer/innen: ca. 8-9 Stunden + Trockenzeit


1. Arbeitsschritt:
Zuerst wird eine Schablone aus Noppenfolie ausgeschnitten. Die Länge der Schablone reicht von den Fingerspitzen bis etwas über die Hälfte des Unterarms, die Breite ist die Spannweite zwischen kleinem Finger und Daumen. Dann in etwa die grobe Form einer Puppe aufzeichnen (siehe Bild) und ca. 3cm Schrumpfung überall dazugeben. Der Trick bei Handpuppen mit beweglichem Maul ist nun den Rachen quasi zweimal anzufertigen. Also ein weiteres Stück Noppenfolie nehmen und genau so zuschneiden wie das obere Stück der Handpuppe (siehe Foto). Wer möchte kann noch extra kleine Flossen zuschneiden, das muss aber nicht.

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2. Arbeitsschritt:
Zuerst wird nun das extra Maul gefertigt. Dazu die Schablone mit zwei Lagen der Grundfarbe auslegen und eventuelle eine andere Farbe für das Innere des Rachens nehmen (hier: Grundfarbe grün, Racheninneres rosa)

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3. Arbeitsschritt:
Der Rachen kann nun erst einmal zur Seite gelegt werden. Jetzt wird der Körper der Handpuppe mit der ersten Schicht der Grundfarbe belegt. Wolle nassmachen bis zu den Rändern, Schablone umdrehen, Ränder umklappen. Die Seite die jetzt oben liegt, ist später die untere Seite der Handpuppe. Auf den Kopf schon ein bisschen Wolle in der Auslagerichtung legen, den Rest des Körpers aber noch nicht weiter belegen.

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4. Arbeitsschritt:
Der vorher gefertigte Rachen wird nun auf das obere Stück aufgelegt (Achtung! Das Innere des Rachens muss jetzt zu sehen sein, sonst liegt er falsch herum) Das Rachenteil mit eingeseiften Händen schon ein bisschen andrücken.

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5. Arbeitsschritt:
An die Ränder wird ein bisschen trockene Wolle gelegt.

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6. Arbeitsschritt:
Ein Stück Noppenfolie, das ein bisschen größer ist als der Rachen selbst, allerdings auf die Hälfte gesehen, wird zwischen die beiden Maulhälften gelegt, damit sie nachher nicht zusammenfilzen.

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7. Arbeitsschritt:
Jetzt wird das Maul bereits aufgeschnitten, auch wenn die Wollfasern noch nicht verfilzt sind. Ganz vorsichtig in unteren Teil des Maules greifen und leicht andrücken.

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8. Arbeitsschritt:
Wenn das Maul angesetzt ist, wird die erste Schicht Wolle auf der Unterseite ausgelegt. Dabei ist es wichtig darauf zu achten, dass immer ein bisschen Wolle auch über den Schnitt geht (quasi die Kehle des Tieres bedeckt wird). Dann wie gewohnt Wolle nassmachen, umdrehen, umklappen.

9. Arbeitsschritt:
Bevor jetzt allerdings die Oberseite des Tieres mit einer zweiten Schicht Wolle belegt wird, müssen die Augen und die Nüstern gestaltet werden. Das bedeutet ein bisschen weiße Wolle nehmen, sie leicht formen und unten ein Stück Wolle trocken lassen (siehe Bild). Dann eventuelle noch eine Schicht weiße Wolle über die erste, je nachdem wie groß die Augen werden sollen. Nach dem gleichen Prinzip geht man bei den Nüstern vor. Am Ende sieht es zwar merkwürdig aus, aber das wird.

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10. – 14. Arbeitsschritt:
Jetzt folgt das gewohnte weitere Auslegen der Wollschichten, beginnend bei der zweiten Schicht auf der Oberseite der Puppe (drei sollen es insgesamt sein). Dabei auf Folgendes achten:
* Die Augen halten am besten, wenn sie Lider bekommen, also ein bisschen Wolle über die Augen legen, gleiches gilt für die Nüstern.
* Wolle auch über das Maul legen und umklappen, das stabilisiert.
* Wenn ihr so gearbeitet habt wie ich, dann solltet ihr zum Schluss die dritte Schicht Wolle auf die Unterseite legen.
* Nach der dritten Schicht Wolle können noch Verzierungen eingebaut werden (in diesem Fall ein dunkelgrüner Bauch und einzelne dunkelgrüne Wollfäden auf dem Körper. Die Hände sind bei mir grau.
* Noch ein Tipp zu den Händen: Am besten die Wolle horizontal auslegen an den Händen, dann lässt sich die Wolle besser um die zackigen Flossen legen.

Bevor ich mir dem Filzen begonnen habe, sah meine Handpuppe so aus:

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Dann wie gewohnt den Körper bis zum Stadium „guter Vorfilz“ filzen.


15. – 17. Arbeitsschritt:

Nachdem ein Vorfilz entstanden ist, könnt ihr unten den Eingriff aufschneiden.

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Ich mache es bei meinen Puppen so, dass sie unten sehr flauschig noch sein sollen, und keinen geraden Abschnitt am Eingriff. Deswegen lege ich immer trockene Wollfasern an und filze sie nur leicht an den Körper.

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Jetzt kann man auch die Schablonen entfernen und zwar in Folgender Reihenfolge:
a) Die Körperschablone entfernen
b) Die Schablonen der Flossen entfernen

Bevor jetzt zuletzt die Schablone aus dem Maul entfernt wird, erst einmal die Puppe von innen bearbeiten und zwar ohne sie auf links zu drehen!! Das habe ich einmal gemacht, da ist mir die ganze Puppe aufgerissen. Also auf euer Gefühl verlassen und von innen mit Seife filzen. Dabei auch in das Maul gehen und anfilzen, besonders das obere Stück Maul, das quasi direkt unter den Augen liegt. Wenn das ein bisschen fester geworden ist, dann auch die Schablone für das Maul entfernen.


18. + 19. Arbeitsschritt:
Jetzt geht es ans richtige Filzen. Rubbelt und reibt was das Zeug hält. Besonders wichtig: Kontrolliert immer wieder das Maul, denn einige Stellen geraten dort immer zu dünn!

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Im Stadium des Vorfilzes habt ihr noch die Chance dazu, die Sachen mit trockener Wolle zu flicken. Bei den Augen und den Nüstern zuerst sehr vorsichtig filzen und immer wieder in Form bringen.

Ihr könnt auch die Nüstern mit der Nadel in Form bringen und die Augen aufnadeln.

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Besonders gut werden die Augen, wenn ihr in die Pupille einen kleinen weißen Punkt setzt (siehe übernächstes Bild)
Das Filzen braucht sehr viel Geduld und ein bisschen Gefühl. Es ist sehr ärgerlich, wenn nachher Löcher entstehen. Bevor ihr euch ärgert oder die Geduld verliert macht lieber eine Pause, vielleicht auch von ein zwei Tagen. Vieles lässt sich im Nachhinein noch mit der Nadel retten, wenn die Puppe angetrocknet ist (hab damit auch schon meine Erfahrungen gemacht )
Also: Filzt bis sich keine Fasern mehr hochziehen lassen!


20. Arbeitsschritt:
Bevor ihr jetzt mir dem Walken anfangt, könnt ihr noch Haare für die Puppe mit der Nadel ansetzten. Dazu einfach einen Wollstrang in der trockenen Hand rollen und das obere Stück an den Kopf annadeln.

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Jetzt schaut sie einen schon richtig an Haare sind vielleicht nichts für kleine Kinder, da sie sich am Ende sehr schnell wieder rausziehen lassen. Man kann die Haare auch zusammen mit den Augen auf die erste Schicht Wolle ansetzten, dann halten sie definitiv besser, sehen dafür aber am Ende auch nicht so flauschig aus.

Die Puppe mit heißem Wasser übergießen und walken, so wie ihr es gewohnt seid.

Zum Schluss dann Seife auswaschen, einen Schuss Essig drüber und nur noch trocknen lassen und schon ist eure Handpuppe fertig. Es erfordert am Anfang vielleicht ein bisschen Übung, aber auf das Ergebnis kann man dann stolz sein.

Viel Spaß und Erfolg beim Nachfilzen wünscht euch
Marie

Geändert von Tomako (21.05.2011 um 01:29 Uhr) Grund: Bilder eingefügt
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