Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Filzobjekte im 12JH
Tja, jetzt komm ich mit einem ganz speziellen Thema.Geimpft durch meinen Mann, der in der MA-Szene beachtlich authentisch einen Tempelritter nachempfindet, interessiere ich mich für Filzwerk aus dieser Epoche. Filze werden ja schon "ewig" verwendet; nun schau ich, was grad so in dieser Zeit entstanden ist. Wenn Jemand von Euch mal was gelesen oder gesehen hat und Lust hat sich mit mir auszutauschen...:)
...uuuiii das ist schwierig
weil es nicht so viele erhaltene Filzobjekte aus dieser Zeit gibt
(Filz ist eben ein sehr umweltverträgliches Material)
das Mittelalter geht von etwa 500 bis 1500 n.Chr. (längsten 1600) das sind ca 1000 Jahre, ein großer Zeitraum
Frühmittelalter (http://de.wikipedia.org/wiki/Fr%C3%BChmittelalter) ca 500- 850
Hochmittelalter (http://de.wikipedia.org/wiki/Hochmittelalter) ca 850-1200
Spätmittelalter (http://de.wikipedia.org/wiki/Sp%C3%A4tmittelalter) ca 1200-1500
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mal ein paar Infos zu Koptbedeckungen
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ziemlich sicher gab es Kopfbedeckungen in verschiedenster Art und Ausführung
das tragen von Koptbedeckungen war quasi Standard zu dieser Zeit
Kappen, Mützen, Hüte etc.
als Materialien dienten Flachs, Leinen, Nessel, Wolle, Leder, Metall
nahe liegend das einges davon gefilzt wurde da das Filzen zu dieser Zeit schon lange bekannt war
(auch schon sehr viel früher z.B. auf Akrotiri (http://de.wikipedia.org/wiki/Akrotiri_%28Santorin%29) (einer archäologische Ausgrabungsstätte im Süden der griechischen Insel Santorin) wurden Filzhelme (Filzkappen mit Lederbesatz) gefunden
und 1960 wurde beim griechischen Dorf Dendra ein Eberzahnhelm (http://de.wikipedia.org/wiki/Eberzahnhelm) (Eberzahn besetzter Helm aus Leder) im Grab eines mykenischen Kriegers gefunden der auf ca 15 v. Chr. dadiert wird. Einen solchen beschrieb Homer in der Ilias. An dessen Innenseite eine Filzkappe angebracht war und dessen Außenseite zahlreiche aneinander gereihte Eberzähne befestigt waren.)
Der Pileus (http://de.wikipedia.org/wiki/Pileus_%28Kleidung%29) (schon im Altertum vorkommend) ist eine Filzkappe die der christliche Klerus benutzt/e.
(heute Pileolus Teil des kirchl. Gewandes -> Papstkäppi)
die Gugel (http://de.wikipedia.org/wiki/Gugel_%28Kleidung%29) (eine kapuzenförmige Kopfbedeckung)
die Capa , Cappa[lateinisch], rund geschnittener Mantel mit Kapuze, im MA (Alltags-)Tracht der Geistlichen
(heute als Cappa magna das Chorgewand der hohen katholischen Würdenträger mit Kapuze und langer Schleppe)
die Tiara (http://de.wikipedia.org/wiki/Tiara) (in hoher Form Kidaris) (päpstliche Prunk-Kopfbedeckung entwickelte sich aus einer zylindrisch, steiften Kopfbedeckung, die je nach Region war sie aus Leinen, Filz oder Metall sein konnte und mit Diademen und Edelsteinen geschmückt war)
im Orient gabs es zeitgleich den Fes (http://de.wikipedia.org/wiki/Fes_%28Kopfbedeckung%29) ab ca 930 (kegelstumpf-förmige Kappe mit Quaste) oder den Derwisch (http://de.wikipedia.org/wiki/Derwisch)-Hut
5
c)Bildquelle und weitere Infos zu religiöse Kopfbedeckungen (http://www.dieter-philippi.de/mydante_1479.html)
ab 1300 beginnt ein regelrechter Wollboom
Seit 1360 sind auch Hutmacher (http://de.wikipedia.org/wiki/Hutmacher) bekannt (Nürnberg).
ca 14. ensteht in Spanien ( durch Vorarbeit der Mauren ) das Merinoschaf als Kreuzung einer kleinen asiatischen Schafrasse und dem afrikanischen Küstenschaf
sie werden aber erst ab 18. in deutschsprachigen Gebieten etabliert
auch auf zahlreichen Gemälden aus dem MA lassen sich Kopfbedeckungen erkennen die auf Filz schließen lassen
( im frühen MA war die Stoffherstellung Frauensache
(möglicherweise auch die Filzherstellung) )
den sog. Dreispitz gab es eigentlich erst gegen Ende des MA
ebenso das Barett
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cu Tomako :hallo:
Hut, 1) die Bedeckung des oberen Theils einer Sache; daher 2) eine steife Kopfbedeckung. A) Die Männerhüte sind meist von Filz, Seidenfelbel, Stroh, Pappe, Seide; Binsen od. ein bast- u. holzartiges Geflecht (Basthüte), gepreßtes u. lackirtes Leder od. lackirtes Papiermaché werden nur selten u. mehr zu Sommerhüten od. zu besonderen Zwecken genommen, z.B. für Kutscher, Chausseewärter u. dgl. a) Die Filzhüte werden ausschließlich aus Thierhaaren gemacht u. zwar gewöhnlich aus Hafen- u. Kaninchenhaaren, peruanischer Schaf- u. Vigognewolle, aus Biber-, Fischotter- u. nordamerikanischen Katzenhaaren, aus den Abgängen der Seidenwirker u. aus persischen u. kermanischen Wollenarten Die feineren, theueren Haare werden dabei mehr zum Überziehen des Hasenhaarsitzes benutzt. Es gibt aa) Große, Mittel- u. Feine Wollhüte aus zweischüriger Sommer- u. kurzer Lämmerwolle; bb) Mittelseine Hüte, aus seiner englischer Lammwolle, mit dänischer Wolle vermischt u. mit Kameelhaar überzogen, wozu auch wohl Vasen- u. Kaninchenhaare kommen; cc) Bauchhaarene Hüte, gemeine Hüte mit Hasen-, Kaninchen- u. Ziegenhaaren vom Bauche dieser Thiere; dd) Rückenhaarene Hüte, aus den Rückenhaaren des Bibers, aus Kameel- u. Kaninchenhaaren; ee) Viertel-Castorhüte, ganz von Hasenhaaren, od. auch mit etwas Kameelhaaren u. Vigognewolle vermischt; ff) Halbe Castorhüte, aus Biber-, Kaninchen-, Hasenhaaren u. Vigognewolle; gg) Dreiviertel-Castorhüte, von englischen Kaninchenhaaren, Grund u. Überzug von Biberhaaren; hh) Ganze Castorhüte, blos aus Biberhaaren, von welchen 2 Theile gebeizt, 1 Theil ungebeizt ist. Außerdem benutzt man noch die von Thieren genommene Wolle, zugleich mit anderen animalischen od. vegetabilischen Bestandtheilen, od. nimmt letztere ganz allein u. erhält so b) Hüte, welche den Filzhüten im Ansehen völlig gleichen. Solche sind: aa) Seidene Hüte, aus Hasenhaaren (2/3) u. Abgängen von den Stühlen der Seidenweber (1/3); bb) Baumwollene od. Gewächs wollene Hüte, aus Baumwolle od. aus den, den Samen einhüllenden Fasern der Disteln, des Dumgrases, der Pappeln, Weiden, der syrischen Seidenpflanze etc., welche mit Vasen- u. Kaninchenhaaren u. Wolle vermischt werden; cc) Federhüte (s.d. 2); dd) Felbelhüte (Seidenhüte), bei denen das Gestell aus Filz, Pappe, Preßspähnen, dünnen Holzspähnen od. dünnem Flechtwerk gemacht ist, u. die mit einem langhaarigen Seidenfelbel überzogen sind. Wenn das Gestell von Filz gemacht wird, so wird dasselbe mit einem wasserdichten Firniß überstrichen, darauf der Felbelüberzug feucht übergestülpt u. mit dem heißen Bügeleisen aufgebiegelt. Die Felbelhüte sind vor nicht langer Zeit aufgekommen u. haben die Filzhüte fast ganz verdrängt. Seit einer Reihe von Jahren sind die von Gibus in Paris erfundenen, kaum den 12. Theil des Raumes eines gewöhnlichen Hutes einnehmenden, daher zum Einpacken in Koffer sehr geeigneten Mechanischen Hüte sehr gewöhnlich. Sie bestehen aus einem Zeugüberzüge über einem Gestell, in welchem zwei stählerne Reisen durch vier stählerne Stäbchen so mit einander verbunden sind, daß sie ein sehr leichtes Gerippe von der Gestalt u. Größe des Hutes bilden. Die vier Stäbchen haben in der Mitte ihrer Länge ein Charnier, hängen auch mit den Reisen durch Charniere zusammen, weshalb sich die Stäbchen alle zugleich nach innen einlegen lassen, u. dann die zwei Reisen sich einander nähern. Da einer der Reisen am unteren, der andere am oberen Rande des Hutes inwendig befestigt ist, so faltet sich durch obiges Verfahren der H. regelmäßig zusammen u. spannt[640] sich wieder völlig aus, wenn man die Stäbchen in ihre frühere, gerade Stellung bringt. Hierzu dient ein Drahtring von der Weite des Hutes, der inwendig an dem verschiebbaren Futter befestigt ist.
Ganz von Filz gefertigte Hüte behaupten stets ihren Werth; ihre Herstellung erfordert viel Geschick. Die englischen Filzhüte werden noch immer für die besten gehalten, aber auch Frankreich u. mehrere Orte in Deutschland, als Berlin, Hamburg, Hanau, Frankfurt a. M., Döbeln, Hannover, Erlangen, München, Wien, Prag, Dresden, Leipzig, Altenburg etc. liefern gute Hüte. Zu Verfertigung der Filzhüte u. der Filzunterlagen für Seidenhüte werden die Hafen- u. Biberfelle (Kaninchenfelle seltener, Wolle nie) gebeizt, damit das Haar sich besser filzen lasse, dann enthaart durch Rupfen od. mit einer scharfen Ziehklinge; wird Wolle verwendet, so wird sie erst ausgelesen, gereinigt, gewaschen, kartätscht; dann werden Haare u. Wolle gefacht, d.h. aufgelockert, von Staub u. den gröberen Borstenhaaren befreit u. die parallele Lage der einzelnen Haare beseitigt, welche dem Filzen hinderlich ist; es geschieht dies mit einem mit einer Darmsaite bespannten Holz (Fachbogen, Geige), an welchem sich ein Stück Leder (Bogenleder) befindet, durch welches die an demselben befindliche Darmsaite gespannt od. nachgelassen werden kann (oft dienen auch statt dessen kleine Stückchen Holz [Knebelhölzer]), auf dem Fachtisch. Das erste Fachen dient nur zum Reinigen (Herunterläutern) u. Auflockern des Haares u. wird in größeren Hutfabriken durch eine besondere Maschine besorgt, welche das unreine u. vielfach verknöterte Haar, auf ein Tuch ohne Ende aufgebreitet, zugeführt wird, worauf es auf der andern Seite der Maschine gereinigt u. aufgelockert herauskommt, während die Verunreinigungen unter der Maschine sich ansammeln; bei dem späteren Fachen muß das Haar zugleich von einer Seite auf die andere in einer regelmäßigen drei- od. vierseitigen Figur geworfen werden; zuletzt wird das Haar mit einem Stück Pergament (Pappe) od. mit einem seinen Siebe (Fachsieb) zusammengedrückt, wodurch dasselbe etwas Halt u. Zusammenhang bekommt, wie ein Stück Watte wird u. Fach heißt; das, was von demselben übrig bleibt u. weggerissen wird, heißt Auswuchs. Gewöhnlich nimmt man vier solcher Fache zu einem H., die bogenförmige Seite heißt der Schnitt, die daran stoßenden Ecken die Zipfel, die gegenüberstehende Spitze der Kopf. Ein Fach, woraus die Hutkrempe gebildet wird, nennt man Randfach. Das Zusammensitzen dieser vier Fache heißt Aufschließen; es greift dabei jedes Fach am Rande 11/2 Zoll breit über das vorhergehende Fach. Bei mittelfeinen Hüten fertigt man nur das äußere Fach (Kopffach) von seinen Haaren (Platte vergolden). Wenn beim Filzen od. Aufschließen dünne. Stellen entstanden sind, so werden dieselben ausgebessert (Ausbüßen), indem man ein Stückchen Filz (Buße) auf die linke od. Bußseite des Hutes legt od. sie auch nur durch Leim steif macht. Das nun folgende Filzen ist das in einander Verschlingen der Haare eines Fachs, so daß sie fest zusammenhalten. Dies geschieht auf einer kupfernen Platte (Filzplatte), unter welcher ein Kohlenfeuer unterhalten wird. Zuerst legt man auf die Platte ein angefeuchtetes, leinenes Tuch (Filztuch), auf dieses die Fache, wickelt u. legt beides in verschiedenen Richtungen zusammen u. arbeitet es dabei immer mit der Hand gleichmäßig durch. Hierdurch, sowie durch die Ausdünstung des Filztuchs u. durch die Wärme der Platte schlingen sich die Haare ziemlich fest zusammen u. je zwei Fache werden an zwei Seiten mit einander verbunden. Weil nach dem Zusammensitzen der Ränder von zwei Fachen dieselben umgewendet werden, so legt man ein Stück Papier, den Filzkern, dazwischen; dieser verhindert, daß die Fache zusammenkleben u. wird hernach wieder herausgenommen. Nach dem Filzen gleicht der H. noch einem spitzigen Kegel, u. muß in einem länglich viereckigen Kessel (Walkkessel), gewalkt (dichter gemacht) werden. Die beiden Seiten des Herdes sind etwas gegen den Kessel geneigt, so daß, wenn die Walktafeln (starke Breter von Rüsterholz) darauf gelegt werden, das Wasser von denselben in den Kessel läuft. In dem Kessel wird Wasser heiß gemacht u. etwas Bier- od. Weinessighefe, darunter gemischt (Walkbeize). Der Filz wird zuerst um den Rollstock gewickelt u. in das heiße Wasser getaucht; dann nimmt man ihn herunter, legt ihn auf die Walktafel u. bearbeitet ihn mit der Hand od. dem runden Streichholz in allen Richtungen, Anfangs nur gelinde, bis er fester wird, legt ihn dabei auch übers Kreuz zusammen (Kreuzschlag), wickelt ihn wieder über den Rollstock u. bearbeitet ihn mit diesem (Gleichrichten). Dabei wird der Filz immer wieder in das heiße Wasser getaucht od. mit demselben begossen u. für seine Hüte (Bürstenhüte) schließlich mit der Walkbürste rundum gebürstet. Das Walken dauert 4–5 Stunden u. durch dasselbe wird der Filz fester u. dichter, aber auch fast um 2/3 kleiner. Das Ausstreichen, wodurch er wieder vom Wasser befreit wird, heißt Plattstrecken. Soll der H. einen seinen Überzug bekommen, so wird seiner Filz darauf gelegt u. durch Walken auf das Festeste mit der Unterlage vereinigt (Plattiren). Damit der Filz auf der inneren Seite nicht zusammenhänge, wird das Haarsieb, ein Stück härenes Tuch, dazwischen gelegt. In neuerer Zeit walkt man an einem hölzernen, cylindrischen Bottich von nicht zu großem Durchmesser; der obere Rand des Bottichs ist flach trichterförmig umgebogen u. vertritt die Stelle der Walktafeln; das Wasser im Bottich wird durch eingeleiteten Wasserdampf erhitzt; der Dampf wird durch ein kupfernes Rohr zugeführt u. aus einem zweiten Rohre wird nach Bedarf kaltes Wasser zugelassen, um das verbrauchte zu ersetzen. Die Haare des Filzes werden mit Kardendisteln od. mit der Kratze emporgebracht (Aufkratzen). Das Herausmachen der groben Haare u. fremden Körper nach dem ersten Walken heißt Auszwicken u. geschieht gewöhnlich mit einer stählerner Zange mit elastischen Schenkeln (Zwicker); Sengen ist das Abbrennen derselben über brennendem Stroh. Bei langhaarigen Hüten werden die Haare nach dem Aufkratzen durch eine Maschine gleich lang abgeschnitten; der noch trichterförmige H. wird auf einen rotirenden Kegel aufgeschoben; beim Umdrehen gehen die langen Haare an einem scharfen Messer vorbei, über welches sie durch schraubengangförmige Erhabenheiten auf einem sich gleichfalls umdrehenden Cylinder hingestrichen u. dabei verschnitten werden. Nun wird der H. noch naß über die Form[641] (Hutform), eine kurze hölzerne Walze (Klotz), geschlagen (Anformen) u. der Rand mittelst des Krummstampfers, einer 6 Zoll hohen, 4 Zoll breiten, nach der Länge etwas gekrümmten Messingplatte od. einem viereckigen Blech (Treibeisen) hinabgetrieben; dann wird der H. in den Kranz gestellt, d.h. der Aufschlag (Krämpe) umgebogen, dann die Platte aus gestoßen, d.h. der spitzige Deckel flach gedrückt, wobei der H. wiederholt in warmes Wasser getaucht wird. Der getrocknete H. wird dann mit Bimsstein od. einer Fischhaut abgerieben (Aufrupfen, Ausrupfen), wodurch ein kurzes Haar wieder in die Höhe gebracht wird u. der Filz sich seiner anfühlt. Das Ausstoßen, wodurch der H. die Kopfform erhält, geschieht mit einem länglich runden Holz (Ausstoßer). Dann wird der H. gefärbt. Zu der schwarzen Hutfarbe nimmt man gehacktes Brasilienholz, etwas Galläpfel, Kupferwasser u. Grünspan; od. Kampecheholz, Schmack, Eisenvitriol, Weinstein u. Grünspan. Vor dem Färben wird der rohe H. (Kalkhut) nochmals über eine Hutform geschlagen, einige Augenblicke in kochendes Wasser gehalten, das Wasser wieder mit dem Plattstampfer, einem dem Krummstampfer ähnlichen Werkzeuge mit einem geraden Rande, ausgedrückt (Reinstreichen) u. dann der H. unter beständigem Umrühren mittelst eines Stockes zwei Stunden in dem Farbenkessel gekocht, dann abgekühlt u. das Kochen noch zweimal wiederholt; die gefärbten Hüte werden nach jedes maligem Färben an die Luft gesetzt (Auslüften); Färben u. Lüften dauert etwa 10 Stunden. Das Abrupfen der langen Haare aus den gefärbten Hüten mit dem Rupfmesser heißt Nachrupfen. Alsdann wird der H. wiederholt in fließendem Wasser gewaschen u. darauf gesteift. Man kocht Gummi, Tischlerleim u. Ochsengalle in Wasser, bestreicht damit den H. u. läßt ihn auf einem eisernen Ofen (Steifofen) od. einem Bleche, d.h. einer Platte vo. Kupfer od. Gußeisen, langsam trocknen, damit sich der Leim in den Filz zieht (Eindunsten). Als wasserdichte Steife wird empfohlen: ein Gemisch von Schellack, Mastix Terpentin, Weingeist. Nach dem Steifen werden die Hüte zugerichtet u. aufgestutzt, aufgeformt, gekrämpt (weil dabei bes. den Krämpen die Form gegeben wird), ihnen mit Bürsten u. Bügeleisen die äußere Appretur gegeben (Plattsetzen), sie mit der Glanzbürste geglänzt u. das Futter u. Schweißleder eingenäht u. staffirt od. ausgeputzt, d.h. der Rand der Krämpe mit Band eingefaßt. Alte Hüte werden aufgefärbt, d.h. Form u. Farbe erneuert.
B) Die Damenhüte sind gewöhnlich von weit leichterem Stoff verfertigt, als die Männerhüte. Im Sommer ist Stroh das Hauptmaterial zu denselben (s. Strohhüte), doch wird auch Bast u. andere Stoffe, bes. baumwollene Zeuge, dazu genommen; im Winter werden die Damenhüte gewöhnlich aus wollenem, baumwollenem u. seidenem Zeug, meist aus Sammet, Atlas, Taffet etc. gemacht, doch auch, der Mode nach, Filz od. doch wenigstens Felbel dazu verwendet. In neuerer Zeit kommen fertige, der Mode entsprechende Drahtgestelle zu Damenhüten im Handel vor, welche dann blos überzogen u. aufgeputzt zu werden brauchen. Seidene, breite u. schmale Bänder, künstliche Blumen aller Art u. dgl. dienen zu Coëffüren des Hutes. Die Form der Damenhüte richtet sich noch mehr nach der Mode, als die der Männerhüte, u. wechselt meist jährlich, ja des Jahres mehrmals. Vgl. I. A. Nollet, Über die Hutmacherkunst, aus dem Französischen von Schreber, Lpz. 1767; I. K. Leuchs, Darstellung der neuesten Verbesserungen in der Hutmacherkunst, Nürnb. 1825; C. Pilzecker, Die Hutmacherkunst Weim. 1828; A. L. Matthey, Methode, Filz- u. Felbelhüte zu lackiren u. wasserdicht zu machen, Quedlinb. 1852; Journal für Mützenmacher u. Hutfabrikanten, Aachen 1844–46.
Die Griechen trugen einen H. od. eine Kappe von Filz (Pilos, war er kleiner Pilion, Pilidion) gewöhnlich auf Reisen od. bei gewissen Geschäften u. Gewerben, während sie sonst, auch beim Ausgehen, barhaupt gingen. Ähnlicher dem modernen H. war der Petasos (Thessalischer od. Macedonischer H.), mit breiter Krempe, zum Schutz gegen Sonne u. Regen, welchen gewöhnlich die Epheben mit der Chlamys trugen, aber auch Andere, z.B. im Theater. Die Römer trugen den H. (Pileus) aber auch bei Begehung heiliger Gebräuche, bei Schauspielen u. Festen; er war mehr eine Kappe, gewöhnlich rund, auch spitzig. Ein anderer H. war der Pannonische H., eine lederne, außen rauhe Mütze, welche die Soldaten in Pannonien statt des schweren Helms eingeführt hatten. Der H. war bei den Römern das Zeichen der Freiheit; darum erhielten Sklaven bei der Freilassung einen H. (vgl. Pileatus servus). Ebenso ließen Brutus u. Cassius nach Cäsars Ermordung Münzen schlagen, wo ein H. als Freiheitszeichen zwischen zwei Dolchen stand, u. viele Römer erschienen nach Neros Ermordung mit Hüten auf dem Kopfe, um ihre wieder erlangte Freiheit anzudeuten. Auch später galt der H. als Symbol der Freiheit, u. die Republiken, namentlich die Republik der vereinigten Niederlande nach ihrer Befreiung von spanischer Herrschaft, nahmen ihn als ihr Sinnbild an. Im Mittelalter kommen die ersten Hutmacher 1360 in Nürnberg, unter dem Namen Filzkappenmacher unter Karl IV. (1380–1422) in Frankreich u. 1401 in Würzburg vor. Der älteste Filzhut, welcher erweislich vorkommt, wurde von Karl VII. bei seinem Einzuge in Rouen im Jahre 1449 getragen, u. 1509 war es bereits ein altes Herkommen, daß der Rath von Worms dem von Frankfurt jährlich einen Biberhut durch eine Gesandtschaft überschickte, um dadurch Zollfreiheit zu erbitten. Auch Frauen trugen im Mittelalter Hüte, deren Form u. Stoff sehr verschieden war; bes. erwähnt werden die seidenen, sammtenen u. gestickten Hüte. Zur Zeit Heinrichs IV. (1589–1610) war der H. in Frankreich schon ganz gewöhnlich, u. dieser Fürst, sowie sein Hof u. seine Offiziere, trugen einen H. mit breiten Krempen u. auf einer Seite aufgeschlagen. Zu derselben Zeit waren in Deutschland, in der Schweiz u. in Holland hohe, oben spitzige Hüte mit breiter Krempe gewöhnlich. Unter Ludwig XIV. begann man die Hüte auch hinten aufzuschlagen u., der Symmetrie wegen, auf der anderen Seite ebenfalls hinauszubiegen, da man die eine Seite von Heinrichs IV. Zeit her schon in die Höhe gebogen hatte. So entstanden die dreieckigen Hüte, die bald mit längeren, bald mit kürzeren Krempen fast 100 Jahre lang Mode waren, daneben die Schifferhüte, mit breiter Krempe, welche an den Seiten[642] zweimal aufgeschlagen u. die von Schiffern, See- u. anderen Reisenden u. von Kaufleuten getragen wurden. Aus den dreieckigen Hüten entstanden die Chapeaubas (s.d.). Die Soldaten, durch welche eigentlich der dreieckige H. entstanden war, schmückten ihn mit Cocarden, besetzten ihn mit Agraffen, Treffen, Cordons u. Federbüschen, die Bürger steckten schwarze Cocarden u. Agraffen auf den H. Nur die Österreicher trugen blos vorn u. hinten aufgeklappte, an den Seiten entweder mit gar keiner od. doch nur mit einer sehr schmalen Krempe versehene Hüte, die Offiziere jedoch größtentheils auch dreieckige. Kurz vor der Französischen Revolution kamen zuerst in England, dann auch in Frankreich, die runden Hüte auf. Dennoch herrschten noch, bes. in Deutschland, die dreieckigen Hüte bis zu Ende des 18. Jahrhunderts vor u. erhielten sich in seinigen Gegenden auch noch als Nebelspalter od. Dreimaster, z.B. in der Pfalz u. in Sachsen. Zuvor kamen aber noch nach 1796 die dreieckigen Hüte mit ungeheuer großen Krempen auf, welche die französischen Elegants trugen u. welche Bonapartes od. Incroyables hießen. 1806 u. 1807 wurden in den meisten Armeen die dreieckigen Hüte durch die Czackos (s.d.) ersetzt, u. jetzt sind sie allenthalben verbannt u. beim Militär nur noch bei Offizieren außer Dienst, bei den Generalen u. ihrem Stab u. Nichtcombattanten gewöhnlich. Aber auch dieser H. ist eigentlich nicht mehr dreieckig gestutzt, sondern die Krempe der einen Seite läuft gerade neben dem Hutkopf weg, die andere gebogen um denselben. Dreieckige Hüte, deren Kopf zum Zusammenlegen eingerichtet ist u. deren Krempe sich biegen läßt (Klappenhüte, Patenthüte, Claques), werden nur vom Civil in Gala getragen. Geweihte Hüte, welche der Papst ehedem feierlich in der Christnacht weihte, waren violettseiden, mit Hermelin gefüttert u. mit einer goldenen Schnur u. Juwelen geschmückt, u. wurden an Fürsten u. Feldherren, die sich um den katholischen Glauben verdient machten, verschenkt. Die Veranlassung dazu ist das Traumgesicht des Judas Makkabäus im zweiten Buche der Makkabäer, Cap. 15. Den letzten erhielt General Daun 1758 nach der Schlacht von Hochkirch. Zu bemerken ist noch der grüne H., in welchem sonst Bankerottirer in Frankreich, u. der gelbe H., in dem sie in manchen Städten Deutschlands ausgestellt wurden u. den sie ferner ihr ganzes Leben lang tragen mußten; auch Juden mußten in Spanien gelbe Hüte tragen. In der Heraldik sind Hüte entweder Helmkleinodien, wo sie sich von den Mützen bald durch die breitere, bald durch die höhere Gestalt (Spitzhüte) unterscheiden, u. wo sie mannichfach gestaltet, gegipfelt u. befleckt erscheinen u. oft als Träger anderer Figuren benutzt werden, od. Standeszeichen. Zu letzteren gehören die breisen Hüte der geistlichen Würden (als Cardinals-Erz- u. Bischofs- u. Protonotarienhut), dann die anders geformten weltlicher Personen (als Erzherzoglicher H., Fürstenhut, Schweizerhut).
Quelle: Pierer's Universal-Lexikon, Band 8. Altenburg 1859, S. 639-642.
Permalink:http://www.zeno.org/Pierer-1857/A/Hut+%5B1%5D
Lizenz:Gemeinfrei (http://www.zeno.org/Zeno/-/Lizenz%3A+Gemeinfrei)
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vielleicht auch ganz interessant wenn auch nicht aus dem MA
cu Tomako
Hallo Sabine,
das Thema interessiert mich brennend, leider bin ich auch noch nicht richtig fündig geworden. Bislang habe ich herausgefunden, was Tomako bereits aufgeführt hat, dass nämlch Hüte und Mützen gefilzt wurden, darüberhinaus war vor allem Walkstoff gebräuchlich, also Loden. Dazu wurde die Wolle aber zuerst gesponnen und gewoben ehe der fertige Stoff dann gewalkt wurde.
Ich hab aber irgendwo gelesen (ärgerwarumweißichnurnichtwo :mad:) dass auch Schuhe, vor allem Stiefelsocken gefilzt wurden. Da im Mittelalter noch sehr viel zuhause gefertigt wurde, zum Eigenbedarf ist darüber nichts zu finden. Erst wenn ein Handwerksstand daraus geworden ist. Deshalb kann ich mir gut vorstellen, dass auch Fäustlinge gefilzt wurden.
Hat nicht die Rittergruppe Deines Mannes noch weitere Info's über's Mittelalter??
liebe Grüße
Margit
Mensch Tomako, das find ich aber toll und ganz lieb von Dir, daß Du Dir so eine Mühe gemacht hast, das allen rauszusuchen!!!! Vielen Dank, da werd ich mal alles in Ruhe durchlesen-oder laß es mir kurz ausdrucken
ach ja, zwei Kappen nach Abbildungen von Templerdarstellungen sind schon entstanden-Bild folgt
Jetzt hab ich's wieder gefunden, im Mittelalterlexikon, da steht über Filz folgendes:
Filz
(mhd. vilz, ahd. filz; eigtl. = gestampfte Masse; spätmhd. auch "grober, bäurischer Kerl" [vilzgebur]. Mhd auch lode = grobes – ursprünglich ungewebtes – Wollenzeug). Ungewebtes, dichtes Zeug aus Schafwolle (Wollfilz) und anderen Tierhaaren (von Bibern, Bisamratten, Hasen, Kaninchen, Ziegen), von hoher Festigkeit, Druckelastizität, Dichte und Isolierfähigkeit; in Asien und Europa schon lange vor dem ältesten Gewebe bekannt. Funde und schriftl. Quellen belegen, dass Filz im ma. Europa – besonders im Norden – für Kopfbedeckungen, Satteldecken, capeartige Umhänge, Fäustlinge, Socken und Schuheinlagen benutzt wurde. Filzen war ursprünglich Sache der häuslichen Selbstversorgung; im HMA. kam dann auch gewerbsmäßige Filzherstellung auf – die erste dt. Zunftordnung stammt von 1321. Eine Legende belegt den Hl. Clemens, vierter Bischof von Rom, als Schutzheiligen der Filzmacher und beschreibt gleichzeitig alle wichtigen Komponenten des Filzens: auf der Flucht unterwegs, legte der Heilige zur Schonung seiner Füße Wolle in die Sandalen. Am Ende seines Weges war die Wolle – durch die Feuchtigkeit und Wärme der Füße und die mechanische Bearbeitung beim Treten – zu Filz geworden....
Grüßle
Margit
Hier die Fotos von unseren Kappen (nach zeitgenössischen Abbildungen/Fresken/Zeichnungen aus der Zeit etwa um 1200):
6 7
Vielfach wurden die Kappen auch über den sog. Bundhauben getragen.
Ich finde es toll, daß hier jetzt ein Thema entstanden ist, für das sich auch noch andere interessieren- ich freue mich auf den Austausch mit Euch!
hier noch ne nette Seite zu mittelalterlichen Kopfbedeckungen
https://forum.filzrausch.de/image_archive/capiti_de_logo.gif
https://forum.filzrausch.de/image_archive/capiti_de_hats.jpg
Homepage: http://www.capiti.de
(http://www.capiti.de/)
cu Tomako:)
Filzsocken hat es wohl zumindest im Spätmittelalter auch gegeben
FILZSOCKE, m. soccus:
der winter zog gar unverholn
daher mit kalt schneidendem luft,
wäld und heck waren al betuft,
wunn und freud er éins nachts erfrört,
mit lerman war das volk entpört,
und flöhend das viech in die stell,
das volk sich alles wapnet schnell
in pelz, rauchmützen und filzsocken,
pantoffel, hendschuch unerschrocken.
H. SACHS I, 422a;
die würz sind steinhart, wie die grieben,
wil ieder in ein stifel schieben,
auf dasz mir die füsz nit erfrieren,
wenns schneit, thut glenstern und gefrieren,
sind nützer mir als zwen filzsocken,
wenn ich zu nachts geh zu dem rocken.
V, 349a;Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm. 16 Bde. [in 32 Teilbänden]. Leipzig: S. Hirzel 1854-1960. -- Quellenverzeichnis 1971. (http://germazope.uni-trier.de/Projects/WBB/WBB/woerterbuecher/dwb/wbgui?lemmode=lemmasearch&mode=linking&textsize=600&onlist=&word=filz&lemid=GF04299&query_start=1&totalhits=0&textword=&locpattern=&textpattern=&lemmapattern=&verspattern=#GF04299L0)
Hans Sachs
deutscher Lyriker und Dramatiker
5.11.1494(Nürnberg) - 19.1.1576(Nürnberg)
Filzsocken gab es auch schon im Altertum. Ich habe aber z.Zt. keine Quelle dafür parat. Spanendes Thema...endlich mal etwas Leben zu den Zahlen;)
Inga
Hallo, ich filze zwar nicht für ernsthafte Reenaktors, sondern "nur" für Larpies, aber die haben es auch gern etwas authentischer. Ich hab bis jetzt Kappen für die Dorftrottel, Hüte für die Bauersfrauen und einen Hut für nen Waldläufer gefizzelt, jetzt sind grade Baretts "große Mode". Leider rennen immer alle mit ihren Hüten überglücklich davon, anstatt für ein Foto zu posieren, daran muß ich wohl noch arbeiten :(. Ansonsten sind gefilzte Sitzkissen sehr beliebt, auf einer Seite mit Rohwolle troddelig gemacht und so Lagertauglich, die andere Seite mit bunter Wolle verziert Schwiegermutterküchentauglich.
Diese seltsam hohen Kappen von weiter oben will ich demnächst mal ausprobieren.
Fällt Euch noch was ein, was die Filzerin zum Lagerleben beitragen kann?
Fällt Euch noch was ein, was die Filzerin zum Lagerleben beitragen kann?
Decken
Beinlinge
Taschen (Pilgertaschen)
Hauben für den Ritter unter der Kettenhaube zu tragen
Fäustlinge
mehr fällt mir grad nicht ein (hatte grad lange Probe und bin müde:()
Hm, Klasse Ideen, jetzt brauch ich bloß noch Bilder, wie so was aussehen muss .... aber da findet sich bestimmt was im weiten Netz der Netze ... DANKE für deine Ideen !
Hallo, jetzt melde ich mich auch mal zu Wort...
Wisst Ihr denn, wie gefilzt wurde??? Meine Zeit ist eher das Frühmittelalter, da wurden bestimmt Mützen und Westen und Taschen gefilzt - aber schon als Hohlfilz, oder in der Fläche und dann genäht???? Und wenn Hohlfilz, was war dann die Schablone? Ein altes Stück Filz? Und bei Hüten und Mützen? Ich kann mir nicht vorstellen, das für den Hausgebrauch extra Holzformen gearbeitet wurden???
Es gibt für den "traditionellen" Wikingermützenschnitt eine Nähanleitung, aus vier Teilen wurden die zusammen genäht...
Hoffe, hier kann mir jemand weiter helfen, möchte da langfristig gerne so authentisch wie möglich werden, aber die Fundlage ist ja äußerst begrenzt...
Danke Wurzel
hallo wurzel!
ich würd mich bei der darstellung an die mongolischen traditionen halten - die sind ganz gut überliefert. flächen filzen und dann zusammennähen halte ich für am authentischsten. allerdings soll man die alte handwerkskunst nicht unterschätzen ;)
ich persönlich nehme auf con lederschablonen anstelle plaste. alte filze zu nehmen, halte ich für problematisch, da sich doch immer was zusammenfilzt.
und als ne art hutmodel kann ich mir gut holzscheiben in der passenden größe vorstellen. so werd ich es zumindest demnächst machen.
LG !
Hallo Wurzel,
leider ist tatsächlich die Dokumentationslage schlecht, zumindest soweit ich das beurteilen kann. Ich hab mir mal angeschaut, wie die Mongolen filzen und da kommt ein Stück Filz als Unterlage zum Einsatz, der so genannte Mutterfilz. Der läßt sich bestimmt gut als Schablone verwenden. Ich hab außerdem Versuche mit Leder gemacht. Ziegenleder hat kläglich versagt, da es zu weich war. Schweinsleder und Kalbsleder geht ganz gut, nur farblos muss es sein.
Dass Holzformen hergestellt wurden kann ich mir auch nicht vorstellen. Vielleicht wurden Haushaltsgegenstände verwendet. (Schüssel, Topf) andererseits läßt sich eine Form auch ganz gut mit den Händen ausformen und mit z.B. einem Ball aus zusammengebundenen Lappen.
Außerdem sollten wir nicht vergessen, dass einige Materialien aus dem Mittelalter gänzlich in Vergessenheit geraten sind und die Menschen handwerklich weit begabter waren als wir das heutzutage noch sind.
viel Erfolg
Triluna
Hallo Faja!
Danke für Deine Antwort! Wie lange halten denn die Lederschablonen? Kannst Du die mehrmals verwenden? Meine Freundin ist Lederin, wir haben da schon viel drüber diskutiert, sie meint, Leder war als Rohstoff eigentlich zu kostbar, und würde durch das ständige feucht-trocken-werden schnell brüchig werden.
Alten Filz deswegen, weil ja in eine einmal fertig gefilzte Oberfläche nichts mehr hinein zu filzen ist, vielleicht müßte man die dann rasieren, damit die abstehenden Härchen sich nicht mit dem neuen Filz verbinden????
Ich werde das im Urlaub jetzt wohl einfach mal ausprobieren, aus mongolischer Wolle eine Fläche filzen, die filzt so schön schnell und wird schön fest... Werde mich melden!
Liebe Grüße Angelika
Upps, da habe ich gar nicht gesehen, dass da noch eine Antwort war, sorry!!! Ja, das mit den Fähigkeiten früher glaube ich auch, dass die mehr konnten und wussten, als man so denkt.
Den Mutterfilz der Mongolen kenne ich auch, dadurch bin ich eben auch drauf gekommen, so etwas als Schablone zu verwenden. Schön wäre es halt, wenn es mehr Fundstücke gäbe, von denen man dann hören würde... So gab es vor wenigen Jahren eine Ausgrabung in der Mongolei, man hat ein Skythengrab gefunden, und der Typ hatte gefilzte Stiefel an - die aber erst mal in den entsprechenden Archiven und Forschungslaboren verschwunden sind, auch in der entsprechenden Fernsehsendung darüber waren sie nur in einer kurzen Überblende zu sehen, argh!
Weiter suchen und warten, viele Grüße Wurzel
Hallo Wurzel,
meines Wissens werden die traditionellen Derwischkopfbedeckungen"Sikke" aus Kamelhaar oder Mohair in der Türkei immer noch in der gleichen Art wie im 13. JH hergestellt.
Durch das Ineinanderstülpen des dreidimensionalen ovalen Filzes von doppelter Länge der fertigen Kopfbedeckung
erhält die Hutform durch die Doppelwandigkeit Stabilität und eine sauber gerundete untere Kante.
Die Hohlform wird traditionell ohne Trennschichte gefertigt, die Lagen werden einfach immer wieder durch auseinanderziehen getrennt.
Ich hoffe, ich konnte dir weiterhelfen
LG Andora
Hallo Andora, das klingt aber spannend, stelle ich mir aber eher sehr mühsam vor, aber wahrscheinlich sind sie darin wahre Meister, weil sie es so gelernt haben... Fangen die denn dann auch in der Fläche an die Wolle auszulegen? Weil dann hat man doch z.B. 8 Lagen (4 vorn und 4 hinten), wie weiß Mann denn da, wo trennen? Und wie? Gibt es da irgendwo Bilder zu? Oder sogar ein Filmchen???
Danke schon mal, Wurzel
Hallo Wurzel
ich hab das in einem Buch gelesen.
Wie die Meister dabei genau vorgehen , weiß ich auch nicht.
Vielleicht verfilzen sie 2 Ovale und schließen dann erst die Hohlform an den Kanten, so könnte man dann spüren, wo man trennen muß.
Sollte man direkt mal selber ausprobieren:rolleyes:
Hast du Ambitionen in dieser Richtung??
LG Andora
PS:
Zitat:"wie soll Mann da wissen,..."
Da Hast du völlig recht !! Traditionell wurde das Filzhandwerk in der Türkei nur von Männern ausgeübt!
Dort ist gerade erst die Technik des Filzens mit Seife aufgekommen!!
Früher wurde total ohne Seife im Hamam gearbeitet,der Dampf reichte aus um die Wolle zu verfilzen. Da musste man die schweren Stücke auch nicht auswaschen!!
Hallo Andora,
nein, in dieser Richtung habe ich gerade keine Ambitionen, dafür habe ich nicht ausreichend klare Bilder davon im Kopf (aber genug andere Ideen drin! ). Vielleicht, wenn ich es selber ansehen könnte... Wie heißt denn das Buch? Ich meine, es gab da sogar mal eine TV-Sendung drüber, irgendwo im Hinterkopf spukt da doch was rum, ist aber schon Jahre her, wenn es so ist. Und aber wieder ein Hinweis, dass Seife nicht unbedingt nötig ist!
Viele Grüße Wurzel
P.S.: Habe gerade eine Beschreibung des oben erwähnten Kriegers gefunden:
"Er trug einen Pelzmantel aus Murmeltier-Fellen, verziert mit Zobel-Pelzen und innen mit Schafsfell gefüttert. Darunter eine gewebte Wollhose und kniehohe Filzstiefel. Auf dem Kopf hatte er eine Filzhaube, die mit aus Holz geschnitzten und teilweise mit dünner Gold- oder Zinnfolie überzogenen Tierfiguren verziert war. Außerdem hatte er einen hölzernen Reif um den Hals, auf dem zwei Wölfe zu sehen sind, die sich mit aufgerissenen Mäulern gegenseitig die Zähne zeigen. "
"Gebettet war der Leichnam auf eine dicke, grauschwarze Filzdecke"
Hier findet man den kompletten Artikel:
www.heise.de/tp/r4/artikel/23/23431/1.html
Ich will den sehen!!! Aber er liegt wohl samt seiner Ausstattung im Labor in Ulan Bator...
Hallo Wurzel,
das Buch heißt "Filzkunst-Tradition und Experiment"
von Marlene Lang
Ich hab nochmal nachgesehen, und tatsächlich, ich fand eine bebilderte Anleitung!!
Zwei ovale Flächen werden angefilzt, übereinandergelegt, die Ränder übereinandergeschlagen und verfilzt.
Dann folgt sorgfältiges Auseinanderziehen der beiden Hälften und Flachlegen der umgefilzten Ränder in der Überfilzung.
Dann walken,falten und pressen,auswaschen,
danach formen der Sikke durch das Überstülpen auf die Holzform, bis die innere und die äußere Filzfläche aufeinanderliegen.
Das Buch ist wirklich sehr empfehlenswert!!
LG Andora
@ Wurzel
der Artikel ist vom 01.09.2006
dieser Artikel (http://www.filzrausch.net/forum/showpost.php?p=34&postcount=2) verweist auf das gleiche Ereignis
auch bekannt unter
die historischen Pazyryk-Funde aus dem Altai-Gebirge in der Mongolei
oder
the frozen thumbs from altai
bzw.
the frozen thumbs of Pazyryk
Die dort gefundenen (auch gefilzten) Gegenstände
https://forum.filzrausch.de/image_archive/e3_2_7a_early_nomads_saddle_cover.gif
sind meines Wissens im The State Hermitage Museum (http://www.hermitagemuseum.org/html_En/03/hm3_2_7.html), St. Petersburg aus gestellt.
Ob sich die Mumie immer noch im Kühlhaus von Ulan Baator befindet??
.. ist zu mindest fraglich...
ursprünglich waren sie nämlich zur DNA-Anylyse nach Novosibirsk und dann weiter nach Moskau gebracht worden........
cu Tomako
Wow, was für ein Bild... gibt es das auch in größer? Werde mal selber versuchen, es größer zu kriegen, bin da allerdings echte Glücksritterin;-)))
Außerdem habe ich beschlossen, an den Prof. Parzinger, der damals mit bei der Ausgrabung war, zu schreiben, ob er nähere Infos hat bzw. weiß, wo man diese bekommt. Wenn ich mir das Foto anschaue, habe ich das Gefühl, die konnten tatsächlich viel mehr, als man sich so vorstellen kann! (Dabei muss ich immer an die Kirchenfenster von Chartre denken, deren Blau heute niemand mehr so hin bekommt!!!)
Muß los, später mehr!
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